Schlussfolgerung und Ausblick

 

Die rapide Weiterentwicklung der Informations- und Kommunikationstechnik, eine Zunahme der Variabilität und Leistungsfähigkeit des Internet, wird eine zusehends schnellere und breitere Informationsübermittlung ermöglichen (Kap. 3.9). Unter Berücksichtigung steigender Anwenderfreundlichkeit und einer wachsenden Zahl Internetnutzerinnen und Nutzer wird deren Anteil in 5 Jahren sicherlich die 50 % Marke überschreiten (falls sich die Prognosen eines Wachstums von 40 % bestätigen). Die zur Zeit noch recht zaghaften Ansätze von Beteiligungsangeboten im Internet seitens der Kommunen müssen also bereits jetzt erheblich erweitert werden. Nicht nur aufgrund der Notwendigkeit, durch technischen Wandel bedingte soziale Veränderungen mitzugestalten und in eine positive Richtung zu lenken, sondern vielmehr aus einer demokratischen Verantwortung den Bürgern gegenüber.

Die sozialen Konsequenzen zeigen sich z.B. in veränderten beruflichen Anforderungen an Arbeitnehmer, vor allem im Bereich der Branchen, die sich mit der Entwicklung und Vermarktung dieser Technik sowie der zugehörigen Dienstleistungen beschäftigen. Als markantes Beispiel für Veränderungen sind die telematischen Arbeitsplätze zu nennen, die zu einer Reintegration von Wohnen und Arbeiten führen und somit zeitgleich neue Formen familiären Lebens hervorbringen.

Im Forschungs- und Entwicklungsbereich an den Universitäten sind vernetzte PCs nicht mehr wegzudenken. Sie stellen mittlerweile die Grundlage für wissenschaftliches Arbeiten dar, sowohl für die Informationsbeschaffung als auch die Ausarbeitung und Präsentation. Verschiedenste Unternehmen versuchen im Internet ihr Glück, Stichwort E-Kommerz, und tragen damit zu einer zunehmenden Virtualisierung der Geschäftsabläufe bei. Einkaufen verliert seinen räumlichen Bezug, denn es ist egal, wo sich die Lager von Internethandelshäusern befinden, sie benötigen nicht die zentralörtlichen Funktionen von Städten um Kunden zu ködern. Glücklicherweise ist Einkaufen mehr, als nur simple Güterbeschaffung. Der Entertainmentfaktor eines Stadtbummels ist nicht zu unterschätzen, von der Vielzahl weiterer Dienstleistungsoptionen zu sprechen. Bunte Internethandelshäuser können da noch lange nicht mithalten.

Starke Auswirkungen sind bereits im Freizeit- und Privatbereich zu beobachten. Die
IuKT verändern zusehends das Kommunikationsverhalten und die Unterhaltung. Zur Verabredung (Mail) oder zum allgemeinen Austausch (Chatrooms), wird unter jungen Leuten verstärkt das Internet verwendet. Das Handy ist bereits jetzt zum Massenkommunikationsmittel mutiert und bietet mehr Möglichkeiten, z.B. die E-Mail Versendung und Empfang (WAP: Wireless Application Protocol). Somit werden die verschiedenen IuKT noch stärker verknüpft. Vermutlich besteht in 1-2 Jahren die Option per Handy zu wählen, eine etwas skurrile Vorstellung, aber nicht unwahrscheinlich.

Eine Extremform der Virtualisierung sind sogenannte virtuelle Welten die beispielsweise ein schematisches, dreidimensionales Abbild einer Stadt darstellen, die nur im Internet besteht. In ihr bewegen und interagieren virtuelle Figuren, hinter denen sich reale Menschen verbergen. Hier erklärt sich, warum dem Internet durchaus ein ernstzunehmendes Suchtpotential [1] für manche Menschen innewohnt, als Fluchtmittel aus der allzu trüben Realität. Je weiter sich die Technik entwickelt, je realer virtuelle Welten wirken (3D-Darstellung), desto größer die Gefahr sich darin zu verfangen. Der generelle Einfluss des Internet auf menschliche Beziehungen und Kommunikation, wirkt sich bereits gravierender aus, als alle Techniken zuvor.

Diese 3D Darstellungsmöglichkeiten bieten sich besonders für eine Verwendung im Zusammenhang mit Planungsvorhaben an. Anschauliche Modelle verschiedener Alternativentwürfe könnten den Bürgerinnen und Bürgern im Netz präsentiert werden, um ihnen beim virtuellen Durchschreiten eine konkretere Vorstellung vom geplanten Endergebnis zu vermitteln. Ein aktuelles Beispiel war nicht aufzufinden – ein weiterer Fall für die Zukunft. Zur Zeit stehen die generell eher geringen Datentransferraten zwischen Providern [2] und privaten Nutzern einer detaillierten und komfortablen Darstellung ebenfalls im Wege.

Die IuKT weisen insgesamt gewisse Tendenzen auf, die verschiedenen Bereiche des Lebens kommunikativ – interaktiv zu verknüpfen, was in 10 – 15 Jahren eine Umdefinierung bzw. Erweiterung des Zentralitätsbegriffs notwendig machen könnte. Telematisch verknüpfte Wohnungen und Häuser, in denen Arbeit, Freizeit, Konsum und die Inanspruchnahme verschiedener Dienstleistungen (online-Banking etc.) über einfach bedienbare Computer, die Fernsehen und Radio integrieren, konzentriert praktiziert und in Anspruch genommen werden können, sind im Endeffekt nichts anderes, als Konzentrate typisch städtischer Funktionen für ihre Bewohner. ‚Möglicherweise entwickelt sich mit der Zeit eine weitgehend wohnbereichszentrierte Gesellschaft.‘[3]

Es ist noch einmal zu betonen, dass direktdemokratische Angebote zu einer Erneuerung des demokratischen Lebens beitragen können. Wenn sich die Kommunen ernsthaft bemühen die Meinung der Bürger einzuholen, kann dies belebend auf deren Interesse am politischen Leben wirken. Neben den Möglichkeiten der mittelbaren Demokratie, könnte mit Hilfe der IuKT eine partizipatorische Demokratie geschaffen werden, die zu einer größeren Zufriedenheit mit dem Staat und somit auch das staatsbürgerliche Verantwortungsbewusstsein stärken könnte.[4] Dazu muss die Lebendigkeit der politischen Diskussionen und ideologischen Auseinandersetzungen im deutschen Teilbereich des Internet noch erheblich gesteigert werden. Den Kommunen kommt hier große Bedeutung als Katalysator zu.

Unübersichtlichkeit und Informationsvielfalt, können bei vielen Bürgerinnen und Bürgern zu einem Gefühl der Orientierungslosigkeit und Ohnmacht führen. Die Vertrauenswürdigkeit des Mediums, für politische Anwendung unerlässlich, kann darunter leiden. Transparente und nachvollziehbare Angebote durch die Kommunen, können genauso Abhilfe schaffen, wie einfach anwendbare Soft- und Hardware. Wichtig ist der Bezug zu "realen" kommunalen Fachleuten die für Fragen auch persönlich zur Verfügung stehen. Dadurch bekommen Internetangebote ein "menschliches" Gesicht.

Ziel der Internetbeteiligung sollten kooperative Netzwerke aus kommunalen Institutionen, Bürgern und Initiativen sein, die sich mit verschiedenen Planungsfragestellungen unter Einsatz sowohl technischer als auch konventioneller Kommunikationsmittel auseinandersetzen. Dabei sollte das Internet als Motor und Mittel für eine vielfältigere und intensivere und konstante Kommunikation zwischen allen Beteiligten verstanden werden.

Das Internet ist also zur Zeit und auch in absehbarer Zukunft, eher als ein weiteres und zunehmend wichtigeres Mittel zu betrachten, das eine nachhaltige und rege Beteiligung möglichst vieler Bürger an Planungsprozessen in ihrer Kommune unterstützen soll. Dabei geht es vor allem darum, die wachsende Gruppe der Anwenderinnen und Anwender für Planungsfragen zu mobilisieren. Die Erfolgsquote des Mediums hängt dabei vornehmlich von der Angebotspolitik der Kommunen ab. Wie in der Befragungsauswertung aufgezeigt, ist das aktuelle Angebot eher dürftig und serviceorientiert. Erweiterungen sind von der Mehrheit der Kommunen geplant, konkrete Angaben zur Art der Erweiterung laufen allerdings im hohen Maße auf generelle Service- Organisationsverbesserungen und technische Vorteile hinaus. Möglicherweise sind diese Aussagen in einer gewissen Ziel- und Ratlosigkeit über die Weiterentwicklung der Partizipation im allgemeinen und speziell im Internet begründet. Ob dies in der Person des oder der Ausfüllenden begründet liegt oder für die gesamte Kommune spricht, unterliegt der Spekulation. Allerdings müssten sich bereits im nächsten Jahr Änderungen im Kommunalen Angebot bemerkbar machen.

Über die Einstellungen der Bürger und Gruppen zur Internetbeteiligung lassen sich, in Anbetracht der unzureichenden Datengrundlage, keine annähernd verlässlichen Aussagen treffen.

 

[1] BMWI: Info 2000, 1996, S.32

[2] Dienstleistungsunternehmen, die einen Zugang zum Internet anbieten

[3] vgl.: Floeting, H. / Grabow, B.: Auf dem Weg zur virtuellen Stadt, Informationen zur Raumentwicklung, Heft, 1.1998, S. 26

[4] Soete, Luc u.a.: Eine europäische Informationsgesellschaft für alle; Erste Überlegungen der Gruppe hochrangiger Experten; Europäische Kommission 1996, S. 83/84


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